Wer hat noch nicht von "Nazibauten", dem Obersalzberg bei Berchtesgaden, der Wolfsschanze bei Rastenburg, dem Atlantikwall, der Welthauptstadt Germania in Berlin oder dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg gehört. Geschichtsträchtige Orte, die nicht nur durch die historischen Ereignisse sondern auch durch deren Architektur im Gedächtnis geblieben sind. Architektur im Dritten Reich 1933-1945 war nicht nur pures Bauen in einem gewissen Zeitabschnitt. Bauten im Dritten Reich waren Ausdruck einer machtbesessenen, menschenverachtenden und größenwahnsinnigen Politik. Gewalt in Stein.
Doch was ist aus diesen 12 Jahren nationalsozialistisches Bauen in Deutschland übriggeblieben? Wie werden die Gebäude heute genutzt und bewertet?
Wie geht man mit dem Erbe Hitlers in der Öffentlichkeit um? Was haben die Nationalsozialisten außer den monumentalen Machtbauten noch gebaut?
Diesen Fragen will bauzeugen.de nachgehen - in einer Stadt die fast wie
keine andere mit dem Nationalsozialismus eng verbunden ist: Nürnberg
Nürnberg
Die alte Reichsstadt Nürnberg, Stadt der Reichstage, Sitz vieler Kaiser und Könige, Ort von Albrecht Dürer, Veit Stoß, Martin Beheim und Hans Sachs, war traditionell eher eine sozialdemokratisch-liberale Hochburg. Durch Hitlers frühen Mitstreiter Julius Streicher, der bereits 1923 das Hetzblatt "Der Stürmer" herausbrachte, versuchten die nationalen Kräfte schon sehr früh ein antijüdisches, nationalistisches Klima zu verbreiten. In Nürnberg hatten die die Nationalsozialisten mit dem überzeugten Demokraten Oberbürgermeister Hermann Luppe einen klaren Gegner. Durch die Verstaatlichung der bayerischen Polizei und die damit verbundene Einsetzung eines Gegners der Sozialdemokraten als Polizeidirektor, als auch die Weltwirtschaftskrise 1929 verschaffte der NSDAP auch in Nürnberg regen Zulauf. Trotzdem gelange es der Partei Hitlers bei den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 nicht die absolute Mehrheit zu erlangen. Erst die Gleichschaltungsmaßnahmen am 9. März 1933 führten zur Absetzung Luppes und der demokratischen Kräfte. In Folge dessen wurden von 1933-1939 die Reichsparteitage immer in Nürnberg abgehalten. Das Reichsparteitagsgelände und einie große SS-Kaserne wurden im Südosten der Stadt errichtet, Hotels und Unterkünfte gebaut. So entstand südlich des RPT-Geländes eine riesige Lagerzone mit eigener Infrastruktur. Am 15. September 1935 wurden die sog. "Nürnberger Gesetze" verabschiedet, ein Gesetz das bestimmte wer als deutsch und arisch zu gelten hatte und wer als jüdisch und nicht arisch eingestuft wurde. Bei der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 wurde in Nürnberg eine Synagoge zerstört, 9 jüdische Menschen wurden in dieser Nacht Opfer des Rassenwahns. 1561 wurden in den letzten Jahren des Regimes aus Nürnberg in die Konzentrationslager deportiert. Während des Krieges wurde die Nürnberg Altstadt zu 90% völlig zerstört, Hundertausende wuden obdachlos und tausende Menschen starben.
Zwischen 1945 und 1949 fanden in Nürnberg die Kriegsverbrecherpozesse statt und beendeteten dieses traurige Kapitel der Nürnberger Geschichte.