disclaimer 

Ausstellung 'Mythos Germania' & 'Tempelstadt Nürnberg'
Allgemeine Infos:

Die Ausstellung 'Mythos Germania' & 'Tempelstadt Nürnberg' beschäftigt sich mit den geplanten Bauvorhaben des nationalsozialistischen Regimes in der 'Reichshauptstadt Berlin' und der 'Stadt der Reichsparteitage Nürnberg'. Sie gliedert sich in zwei Bereiche in deren Zentrum jeweils ein großes Modell der geplanten Projekte steht. Die gezeigten Modelle wurden für den Spielfilm 'Speer & Er' weitgehend nach Originalplänen rekonstruiert. Das Berliner Modell ist jedoch im mittleren Sektor in verkürzter Weise nachgebaut worden. Dennoch entsteht ein sehr guter Einblick in die Pläne Hitlers und Albert Speers, der als Generalbauinspekteur für die Umsetzung der Baupläne verantwortlich war. Um das meterlange Modell haben die Ausstellungsmacher verschiedene Themen-Tafeln gruppiert, die sich mit der Architektur aber auch mit den Konsequenzen der Bauvorhaben beschäftigt. So mussten tausende Berliner Juden ihre Wohnungen verlassen, die den Bauprojekten zum Opfer fielen. Auch die Rolle von Albert Speer als Hauptverantwortlichen wird umfangreich erläutert.
In einem seperaten, abgeteilten Raum laufen zwei Propagandafilme: 'Das Wort aus Stein' von 1939 zeigt Bauplanungen für München, Augsburg und Berlin. 'Steinmetz am Werk' von 1941 zeigt Arbeiten am Märzfeld und an der Kongreßhalle in Nürnberg.
Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich den Bauvorhaben in Nürnberg. Neben dem Model des geplanten 'Deutschen Stadions' dass bereits im Dokuzentrum ausgestellt war, gibt es auf den Infotafeln weitergehende Informationen zu der Umgestaltung der Nürnberger Altstadt und den Eingriff der Nationalsozialisten in die Architektur, sowie informative Zusatzinformationen über die Bauphasen der Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände. In Vitrinen kann man sich ein Bild über die Vermarktung der Architektur in Form von Postkarten, Broschüren, Spielkarten oder Büchern machen.

Die Ausstellung kostet 3 Euro zum regulären Eintritt und ist noch bis zum 11. September geöffnet.

Die Ausstellung in der sogenannten ehemaligen THW-Halle wird von dem riesigen Modell der geplanten Welthauptstadt 'Germania' beherrscht. Auch für Kenner der Stadt Berlin ist es im ersten Moment sehr schwierig sich zu orientieren. Das liegt u.a. daran, dass bekannte Gebäude wie z.B. das Brandenburger Tor in den überdimensionierten Bauwerken komplett untergehen. Selbst der Reichstag wirkt eher wie ein Nebengebäude. Dominiert wird das Modell von der 'Großen Halle' die ein Fassungsvermögen von 180.000 Zuschauern haben sollte. Ebenso gigantisch mutet der 'Triumphbogen' im Süden der Achse an der mit 120m Höhe das zweite markante Bauwerk der Umgestaltung werden sollte. Um die Standfestigkeit des Bogens zu gewährleisten wurde ein 'Schwerbelastungskörper' gebaut der auch heute noch in Berlin zu finden ist. Eines der wenigen umgesetzten architektonischen Hinterlassenschaften sind die Laternen die für die Ost-West-Achse aufgestellt wurden - etwa 350 stehen heute noch in Berlin.

Im 'Nürnberger Raum' wird das Modell des gigantischen 'Deutschen Stadions' gezeigt. Viele der Infotafeln befassen sich mit den Baumaßnahmen, den Testtribünen im Hirschbachtal und dem persönlichen Angagement von Hitler und Speer bei dem Vorhaben. Interessant auch die Zeichnungen aus dem Büro Speer zu erweiterten Umgestaltung des Nürnberg Südostens mit einer Drehung der Luitpoldarena mit Ausrichtung zur 'Großen Straße'. Die Umsetzung des Baus des Stadions wäre nur mit Hilfe von KZ- und Zwangsarbeitern möglich gewesen - zu diesem Zweck wurde eine eigene SS-Organisation gegründet, die in der Nähe von Steinbrüchen Konzentrationslager errichten ließ. Auch hier spielt Albert Speer als Generalinspekteur und damit Hauptverantwortlicher eine wichtige Rolle.

Fazit:
'Mythos Germania' zeigt recht kompakt und übersichtlich die größenwahnsinnigen und rücksichtslosen Ideen der Nationalsozialisten und beleuchtet auch die Rolle der Stadt Nürnberg und der beteiligten Architekten. Als Ergänzung zur Daueraustellung, in Kombination mit einem Rundgang auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände aber auch als Einzelausstellung ist 'Mythos Germania' eine sehr interessante Ausstellung. Auch die propagandistische Präsentation der architektonischen Visionen als 'leicht umsetzbar' in den Propagandafilem und Publikationen wird sehr anschaulich dargestellt. Dauer ca. 60min

 

s